Allgäuer Zeitung, September 2003
Konzert auf Schloß Neuschwanstein mit Matthias Racz und dem Ensemble Resonanz
Sie sind jung und sie sind verdammt gut. Auch ohne Dirigent ist das Ensemble zu einer sehr homogenen Einheit zusammen-gewachsen, geleitet von der ersten Geige aus mit Blicken, Mimik und Gesten. Die Hamburger , angenehm leger gekleidet und unprätentsiös auftretend, vereinen Musisches mit Musikantischem, treten spielfreudig auf, widmen sich den Werken jedoch mit tiefem Ernst - sonst würde das Ergebnis geistig nicht so durchdrungen und konzeptionell nicht so überzeugend sein. Auch hätte der Bayerische Rundfunk seine Aufzeichnungswagen wohl nicht die enge Straße zum Schloss hinauf bugsiert, wäre dort nicht Herausragendes zu hören. Für den Einstieg wählte das Ensemble zwei eher leichtfüßige Werke. Die 1.Sinfonie von Carl Phillip Emmanuel Bach aus dem Jahr 1773 ist Spiegelbild des Umbruchs zwischen Barock und Klassik. Bach verflüssigt ideensprühend das Starre und Statische, was die Hamburger sehr dynamisch und kontrastreich nachzeichneten. Sehr plastisch - und ebenfalls mit heiterem Grundton - Haydns Einleitung zu "Acide e Galatea". Unterhaltungsmusik auf hohem Niveau, deren positive Spannung nie in düstere Dramatik umschlägt. Einen Glücksgriff machte Wolfgang Kühnl, der Organisator der Schlosskonzerte, mit dem Solisten des Konzerts für Fagott und Streichorchester in F-Dur von Johann Nepomuk Hummel (1778-1837). Matthias Racz kann die Tiefen und Höhen seines Instrumentes virtuos ausloten. er machte aus dem gemütlich, ja bisweilen behäbig wirkenden Fagott einen gewandten Erzähler mit einer gehörigen Portion Witz und vielen Zwischentönen. Hummel bietet dafür auch alle Voraussetzungen, hat er doch irrwitzige Läufe, Sprünge und sonstige Kapriolen hineingeschreiben. Der gerade mal 23-jährige Racz wurde im vergangenen Jahr nicht grundlos zum ARD-Preisträger erkoren. Ein außergewöhnliches Talent, das wundervoll mit dem Orchester harmonierte. Nach der Pause dann romantische Klänge. Auch wenn der Norweger Edvard Grieg sein Werk "Aus Holbergs Zeit" selbst als eher gering erachtete, schuf er 1884 doch ein intensives Werk, in dem er verschiedene Stimmungen , etwa Melancholie oder Heiterkeit, aufs Wunderbarste in Streicherklänge kleidete. Das Ensemble Resonanz spielte da noch einmal seine Homogenität, gepaart mit schöner Tonkultur, aus, und spürte sensibel den feingestuften Emotionen nach, ohne auch nur eine Sekunde in der Spannung nachzulassen. "

