Kritik von Gordon Kampe, 01.12.2006
Mussorgsky, Modest: Bilder einer Ausstellung für Fagottensemble
Label: Genuin , VÖ: 22.09.2006
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Ohne Zweifel: Dem Puristen bricht beim Anblick dieser neuen, beim Label Genuin, erschienenen, CD sofort der Angstschweiß aus. Alternativ kann es auch zu unkontrollierten Zuckungen in jenem Bereich des Körpers kommen, der ein besonderes Gespür für Werktreue hat. Sollte der Purist jedoch auch Ohren besitzen – so höre er: Dag Jensen und das Quadriga Bassoon Ensemble haben die Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky für Fagott-Quintett eingespielt. Die Einrichtung für diese merkwürdige Besetzung hat Dag Jensen, einer der profiliertesten Fagottisten unserer Zeit, selbst übernommen – und das ist ihm trefflich gelungen. Die Bilder einer Ausstellung gibt es in abertausenden und häufig abstrusen Bearbeitungen – Ravels geniale Orchesterfassung ist nur die Spitze eines Eisberges, der nicht selten ein Kuriositätenkabinett ist. Und von Ferne betrachtet könnte die Bearbeitung für Fagott-Quintett sich in dieses Kabinett wunderbar einfügen – doch weit gefehlt: Nach kurzem Aufwärmen kann sich das Ohr von der zuweilen knorrzigen Aura des Instruments befreien, die durch zauberlehrlingshaftes Holpern und mickeymousiges Stolpern das Ohr verstopft.
Das Ensemble nimmt das Stück in dieser Fassung nicht weniger ernst und wichtig – es zeigt, was in diesem wunderbaren Instrument steckt. Es kann zupacken wie in der ersten Promenade, kraftvoll drohen, etwa im Gnom, geheimnisvoll abgedunkelt klingen – etwa in den Katakomben. Nicht nur jedem der einzelnen Sätze wird ein eigener Klang gegeben: Es ist phänomenal, in welch kurzer Zeit die Musiker feinste Schattierungen im Klang und im Ausdruck finden können. Niemals wird es langweilig – gerade auch dann nicht, wenn die omnipräsente Ravelfassung im Hinterkopf noch immer lauert. Diese Bilder einer Ausstellung sind kein weiterer Baustein des Kuriositätenkabinetts. Natürlich mag man nicht auf andere Fassungen verzichten und schon gar nicht auf das Original – doch die Version Dag Jensens und dem (aus sehr jungen Musikern bestehenden) Quadriga Bassoon Ensemble ist eine echte Bereicherung – auch für Freunde des viel zu oft vernachlässigten Fagotts.
Mussorgskys Werk stellt zwar den Mittel- und musikalisch zweifellos auch den Höhepunkt der CD dar, doch es wird umrahmt von ebenso geschmack- wie kunstvollen Stücken von Allan Stephenson (einem klassizistisch angehauchten Divertimento) und einer Tango-Suite von Astor Piazolla, hier unterstützt durch den Schlagzeuger Andreas Berger.
Die Zugabe, ein kurzes Jazz-Stückchen von Oscar Peterson, zeigt, dass sich die Musiker nicht stets und andauernd zu ernst nehmen. Die Bearbeitung (absolut fabelhaft gemeistert von Johannes Rupe, der selbst ein enormer Fagottist ist!) und das Spiel des Quadriga Bassoon Ensembles ist zum Brüllen komisch, einfach ein riesiger, wenn auch kurzer Spaß. So gespielt, darf niemand behaupten es handele sich bei einem Fagott um ein etwas träges Continuo-Instrument – hier geht das Fagott ab, wie es gewöhnlich nur ‘Schmidts Katze’ tut. Wie beim Label Genuin üblich, sind Cover, Booklet und vor allem auch die Aufnahmetechnik auf hohem Niveau und wer Freude am Ungewohnten hat, dem sei diese Produktion sehr ans Herz gelegt.

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